Einmal Ochse, immer Ochse?

An alle Ignoranten!

Es schlendert jeder Tag dahin
einförmig trist wie an der Schnur.
Betäubt erwachet jeder Morgen –
nichts Neues gibt´s in der Natur.

Die Ochsen spulen ihren Tag
wie stets gewohnheitsmäßig ab.
Ein kleines unscheinbares Perlchen
der Lebenskette Wiege – Grab.

Frühmorgens schon so eine Ruhe,                                          so ein Programm, das nicht behagt –                             benommenes Leben, zweckgebunden,
das sich nicht mehr nach außen wagt.

Die Blicke stieren vor sich hin,
kaum einer wagt den Kopf zu heben.
Wer könnt´ den Pflichten sich entziehen?
Du musst … du hast … so ist das eben.

+++

Nun sind die Pflichten eingegraben
in jegliches Gemüt ganz tief,
zum Ochsen hat man uns gemacht,
der stets nur unterm Joche lief.

Der Bauer hat nun mal versucht,
das Joch dem Ochsen abzunehmen,
damit nach langer Arbeitspflicht
dem Ochs´ die Tage besser kämen.

Die harte Zeit wär nun vorbei
und jeder Ochs wär wieder frei,
kann seiner Stärken sich besinnen
und noch einmal ganz neu beginnen.

Nun wird das Dasein wie ein Fest –
doch ach – welch heftiger Protest!
Oh nein, den Ochsen freut es nicht,
wenn irgendwer sein Joch zerbricht!

Stets ward er unterm Joch geführt.
Es hat das Joch ihn degradiert
zu einem stumpfen Arbeitstier
– nur dafür dient der Ochse hier –
für´s Ochsendasein stumm und hart,
nun ist das seine Wesensart.

Und seine Wesensart verändern?
Das kann dem Ochsen gar nicht passen.
Nie wird ein Ochse ohne Not
seine Gepflogenheit verlassen –
´s ist mühsam, ja, das gibt er zu,
doch dafür hat er seine Ruh.

Sein Joch gab ihm stets Sicherheit,
stupide Pflicht zu jeder Zeit.
Das Joch wegnehmen? Unverschämt!
Wild wird der Ochs´, wenn´s wer erwähnt.

Das ist doch eine Infamie:
Das Ehrenjoch für´s liebe Vieh,
das lässt kein Ochs´ sich einfach klauen!
Dem Bauern ist nicht mehr zu trauen.

Wer weiß, was der im Schilde führt!
Was ist, wenn man kein Joch mehr spürt?
Es war die einzige Sicherheit
in seiner ganzen Lebenszeit.

Nun ja, als Kälbchen, frisch und klein,
war er ein rechtes Hüpferlein.
Doch da erinnert er sich kaum,
´s ist wie ein ferner dummer Traum.

Auf dieser grünen Kälberweide,
da war das Leben hellste Freude.
Wie schön fing einst das Leben an,
bis man ihn dann so wehgetan.

Die Zeugungskraft ward ihm genommen
dann ist er unter´s Joch gekommen.
In harten Jahren, schweren Tagen
hat er sich damit rumgeschlagen.

Sein ganzer Zorn galt seinem Joch:
´Das wollt´ ich nie und trag es doch.´
Bis mit dem Joch er sich versöhnt´,
er hatte sich daran gewöhnt.

Und nun will´s ihm der Bauer nehmen?
Der sollte sich mal lieber schämen!
Ich bin ihm wohl zu schwach geworden?
Will er gar heimlich mich ermorden?

Denn ohne Joch, jeder sieht´s ein –
kann doch ein Och´s kein Ochse sein.
Oh nein, ich will mein Joch behalten,
der Bauer soll mich fremdverwalten.

Und sagt‘ ich ‚Nein‘ zu Bauers Gnaden?
Das wäre doch mein eigener Schaden!

Ja, ich versag mir solche Mode:
Ein Müßiggänger kommt zu Tode.
Dies lehrte mich ein hartes Leben
und niemals kann es Besseres geben.

Ganz ohne Joch kann ich nur sterben,
das ist nicht anders vorzustellen.
Ich kann nur denken bis zum Joch,
nichts anderes kann den Geist erhellen.

In meinem großen Ochsenkopf
ist jedes Lichtlein ausgeblasen.
Hab nicht umsonst die Ohrenmarke
und diesen Ring in meiner Nasen.

Das wird nie anders funktionieren.
Man muss uns Ochsen immer führen.
Nur mit dem Joch in unsern Nacken
dressiert man uns und kann uns packen.

+++

Weiß nicht, wie dieser dumme Ochse
in seiner blinden Furcht entscheidet.
Ob er das Joch sich lösen lässt,
oder noch endlos weiter leidet.

Das Leiden scheint ihm zu gefallen,
er hat sich längst daran gewöhnt,
doch der Gedanke an die Freiheit
macht kopflos ihn und unversöhnt.

Misstrauisch ist der Ochs´ geworden,
er traut dem neuen Frieden nicht.
Ein jeder neue Drangsalierer
vorher nur Gutes stets verspricht.

Im Nachhinein stellte sich raus:
Für´n Ochsen sah´s noch schlimmer aus.

Der Bauer wird mit der Offerte
auch so ein krummes Ding bezwecken.
Am liebsten möchte´ der Ochse fliehen,
sich tief in seinem Stall verstecken!

Rasch nun! Zurück zum Stall gerannt!
Doch ach, der Stall ist abgebrannt.
Dort steht er lichterloh in Flammen!
Da kommt ja alles nun zusammen!

Mein Schlafensplatz! Mein schöner Mist!
Wie alles doch vergänglich ist!
Da gibt es wirklich kein Entkommen,
also sei´s Joch nun abgenommen?

Hat denn das einer schon erlebt,
dass so ein Ochse schnaubt und bebt,
nur weil man ihn befreien will?

Ein kluges Öchslein hielt da still,
würd´ willig sich dem Bauern fügen,
der löst das Joch ihm mit Vergnügen,
entfernt ihm rasch den Nasenring,
dies jämmerliche Führungsding,
knipst noch die Marke aus dem Ohr,
wie neugeboren käm er sich vor.

Doch ach, ein Ochse hält nicht still!
Macht doch der Ochs stets, was er will.
Den Nasenring mit Kette dran,
den schaut er wie ´nen Orden an.

Die Marke, fest ins Ohr gefasst,
beweist, dass in die Welt er passt.
Sein Joch trägt er wie´n Heiligenschein:
So muss ein rechter Ochse sein!

Ich bin ein Ochs´ aus echtem Holz!“
Ach, Ochs, was soll dein dummer Stolz?
Ach ja, man war zu dir gemein,
doch musst du drum ein Rindviech sein?

+++

So rackern sie – und wuseln, graben,
ein jeder will solch Ehre haben,
der Welt auf´s höchste zu genügen
und sich wie´n dummer Ochs zu fügen.

Doch hält die Welt den Atem an,
weiß man, wie´s sich entwickeln kann?
Ein bisschen brenzlich riecht es schon,
die Tage schleichen monoton,
wollen nicht so recht aus sich heraus,
betrübt schaut schon der Morgen aus.

*

Ein Ochse, das ist wohl bekannt,

der bleibt vor allem ignorant

jedwedem Wechsel gegenüber.

Was bringt dann Hieb und Nasenstüber?

Er dreht die Runden dumpf und satt,

bis es sich ausgeochselt hat.

2010

Ahnenfreundin

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2 Gedanken zu “Einmal Ochse, immer Ochse?

  1. Die political correctness schreib zur Zeit die
    MeisterWerke der alten Deutschen Dichter und Denker um.
    Lessing, Schiller und Goethe schrieben damals
    ihre Gedanken auf, welche die GedichtsWächter
    heute nicht mehr dulten.

    Nathan der Weise ist danach Nathan der DummKopf.

    Die Wahrheit schreiben ist – unbezahlbar.

    immer Ochse ?
    FrageZeichen macht Hoffnung.

    Dank an die AhnenFreundin, welche statt eines ZaunPfahles
    in diesem Werk einen (geistigen) OchsenZiemer schwingt,
    damit auch der letzte Ochse aufwacht 🙂


    Einen lieben BildGruß vom Reiner 🙂

    „Ein Mensch, der wenig lernt, trottet wie ein Ochse durchs Leben;
    an Fleisch nimmt er zu, an Geist nicht.“
    Gautama Buddha

    https://bilddung.wordpress.com/2013/04/28/haben-tiere-eine-seele/
    https://bilddung.wordpress.com/2014/03/23/der-frager-bestimmt-die-antwort/

    „Erinnern wir uns nun zuerst des israelitischen Volkes in Ägypten, an dessen bedrängter Lage die späteste Nachwelt aufgerufen ist teilzunehmen. Unter diesem Geschlecht, aus dem gewaltsamen Stamme Levi, tritt ein gewaltsamer Mann hervor; lebhaftes Gefühl von Recht und Unrecht bezeichnen denselben. Würdig seiner grimmigen Ahnherren erscheint er, von denen der Stammvater ausruft: »Die Brüder Simeon und Levi! ihre Schwerter sind mörderische Waffen, meine Seele komme nicht in ihren Rat, und meine Ehre sei nicht in ihrer Versammlung! denn in ihrem Zorn haben sie den Mann erwürgt; und in ihrem Mutwillen haben sie den
    Ochsen
    verderbt! Verflucht sei ihr Zorn, daß er so heftig ist, und ihr Grimm, daß er so störrig ist! Ich will sie zerstreuen in Jakob und zerstreuen in Israel.« Völlig nun in solchem Sinne kündigt sich Moses an. Den Ägypter, der einen Israeliten mißhandelt, erschlägt er heimlich. Sein patriotischer Meuchelmord wird entdeckt, und er muß entfliehen. Wer, eine solche Handlung begehend, sich als bloßen Naturmenschen darstellt, nach dessen Erziehung hat man nicht Ursache zu fragen. Er sei von einer Fürstin als Knabe begünstigt, er sei am Hofe erzogen worden; nichts hat auf ihn gewirkt; er ist ein trefflicher, starker Mann geworden, aber unter allen Verhältnissen roh geblieben.“

    Illuminat Johann Wolfgang Goethe Mitglied des IlluminatenOrdens
    West-östlicher Divan S.324

    https://bilddung.wordpress.com/2014/12/28/mose-vom-wohlerzogenen-findelkind-zum-massenmorder/

    Gefällt 1 Person

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